Feinfühliges Handeln stärkt die Bindung zu Ihrem Kind
Eltern reagieren häufig ganz intuitiv auf Signale und Bedürfnisse ihres Babys. Das ist gut so. Erfahren Sie hier, wie Sie durch feinfühliges Handeln die Bindung zu Ihrem Kind stärken können.
Wenn sich Eltern fürsorglich um ihr Baby kümmern und angemessen auf seine Signale reagieren, entwickelt es Vertrauen. So entsteht nach und nach eine sichere Bindung zwischen Eltern und Kind.
Eltern hören oft auf ihr Bauchgefühl
Eltern handeln oft aus dem Bauch heraus. Ohne nachzudenken spüren sie, was ihr Baby benötigt. Und sie reagieren passend auf seine Signale. Dieses intuitive Verhalten ist angeboren. Kulturelle Unterschiede spielen hierbei keine Rolle. Ebenso wenig wie Alter oder Geschlecht der Eltern.
Einige Beispiele für intuitives Handeln kennen Sie bestimmt:
- Sie heben Ihre Stimme und sprechen mit einfachen Worten mit Ihrem Baby. Sie wissen: So kann mein Baby mich verstehen.
- Sie halten Ihr Baby in geringem Abstand zu Ihrem Gesicht. Ohne nachzudenken passen Sie Ihre Haltung an die Sehfähigkeit des Babys an. Sie wissen: So kann mich mein Baby am besten sehen.
- Sie begrüßen Ihr Kind mit großen Augen und ziehen die Augenbrauen hoch. Sie wissen: Mein Baby erkennt so am besten, dass ich es begrüße.
- Sie nehmen Ihr weinendes Baby sofort auf den Arm und wiegen es ruhig hin und her. Sie wissen: So kann ich es trösten und beruhigen.
- Wenn Sie Ihr Baby füttern, machen Sie den eigenen Mund weit auf. Sie wissen: So zeige ich meinem Kind, wie es essen kann.
So regieren Sie feinfühlig auf Ihr Baby
Ein Baby verständigt sich vor allem über Geräusche, Bewegungen, Blicke und Gesichtsausdrücke. Von Beginn an kommuniziert es so mit seinen Eltern. Feinfühliges Verhalten hilft Eltern dabei, auf ihr Baby einzugehen. Drei Schritte gehören dazu:
Signale wahrnehmen
Der erste Schritt ist, die Zeichen des Babys wahrzunehmen. Damit dies gelingt:
- Seien Sie aufmerksam.
- Konzentrieren Sie sich auf Ihr Baby, wenn Sie mit ihm zusammen sind: beim Stillen, Füttern oder Wickeln. So können Sie auch schwache Signale wahrnehmen.
- Intensiver Blickkontakt hilft Ihnen dabei.
- Smartphone und Co. lenken ab. Sie merken dann erst spät, ob Ihr Baby Ihnen etwas mitteilen möchte. Legen Sie die Geräte daher möglichst häufig weg.
Signale erkennen
Die wahrgenommenen Signale gilt es nun richtig zu deuten. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Am Anfang müssen Eltern viel ausprobieren. Mit der Zeit lernen sie immer besser zu unterscheiden, was ihr Baby gerade braucht.
- Versetzen Sie sich in die Lage des Babys. Was könnte es gerade brauchen?
- Denken Sie aus der Sicht des Babys, zum Beispiel: "Ich habe nun schon so lange gespielt. Ich bin jetzt wirklich müde. Damit du mich verstehst, fange ich an zu schreien."
- Versuchen Sie, die Bedürfnisse des Babys von Ihren eigenen Wünschen zu trennen: Wenn Ihr Baby laut schreit, sehnen Sie sich als Mutter oder Vater vermutlich nach Ruhe. Ihr Baby nutzt das Schreien aber als Mittel, um sich bemerkbar zu machen. Es möchte sein dringendes Bedürfnis mitteilen.
Sofort und angemessen reagieren
Wenn Eltern ein Signal wahrnehmen und ein Bedürfnis erkennen, sollten sie möglichst schnell und passend reagieren. Das Baby hat noch kein Zeitgefühl und jeder Wunsch ist für Ihr Kind dringend. Deshalb ist es verzweifelt, wenn eine schnelle Reaktion ausbleibt. Das Baby muss erst lernen, dass sein Verhalten etwas bewirkt.
- Wenden Sie sich Ihrem Baby zu, sobald es auf sich aufmerksam macht.
- Gehen Sie auf das Bedürfnis des Babys ein, das Sie wahrgenommen haben.
- Wenn Sie merken, dass Sie falsch liegen, probieren Sie etwas anderes aus. Mit der Zeit wird Ihr Zusammenspiel immer besser werden.
Intuitives und feinfühliges Elternverhalten bedeutet nicht, sich immer perfekt zu verhalten. In manchen Situationen kann es schwerfallen, auf das Bauchgefühl zu hören oder angemessen auf das Baby einzugehen. Das ist ganz normal.
Frühe Hilfen unterstützen
Sie fühlen sich unsicher im Umgang mit Ihrem Baby? Frühe Hilfen sind für Sie da. Rat und Unterstützung bieten zum Beispiel Elternkurse oder Offene Sprechstunden. Dort geben Fachkräfte Tipps, wie das Zusammenspiel mit dem Baby gelingen kann. Die Angebote der Frühen Hilfen sind kostenlos und leicht zu erhalten. Mit der Suche Frühe Hilfen finden Sie eine Anlaufstelle der Frühen Hilfen in Ihrer Nähe.
Die Tipps in diesem Beitrag stammen aus dem Online-Kurs „Bindungsbasierte Einschätzung der Eltern-Kind-Interaktion“ auf der Lernplattform des NZFH. Der Kurs richtet sich an Fachkräfte und wurde vom Uniklinikum Ulm unter der Federführung von Professorin Dr. Ute Ziegenhain konzipiert und vom NZFH gefördert.