Mit Babys kommunizieren
Babys sprechen noch nicht, aber sie äußern ihre Bedürfnisse auf andere Weise. Wie genau kommunizieren Babys und wie können Eltern darauf eingehen?
Ein Baby drückt seine Gefühle aus – von Geburt an und sogar schon im Bauch der Mutter. Es macht Geräusche, bewegt seinen Körper oder verändert seinen Gesichtsausdruck. Mit der Zeit lernt es, diese angeborenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Dabei braucht das Baby Unterstützung.
Eltern gehen meist ganz intuitiv auf die Signale ihres Babys ein. Sie verändern zum Beispiel ihre Körperhaltung, sprechen mit einer höheren Stimme oder zeigen deutliche Gesichtsausdrücke. Dieser Austausch mit dem Baby ist wichtig.
Kommunikation stärkt die Bindung zum Baby
Das Baby probiert aus, wie es sich äußern kann. Und es merkt, was es damit bewirkt. Wenn es sich verstanden fühlt, probiert es weiter. Das fördert die Bindung zwischen dem Baby und seinen Eltern.
Die Kommunikation mit den Eltern hilft dem Baby auch, seine Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Das macht jedes Kind in seinem eigenen Tempo. Die folgenden Altersangaben geben eine grobe Orientierung:
Vor der Geburt
Das Baby bekommt schon im Bauch einiges von der Außenwelt mit. Es nimmt bereits vor der Geburt Geräusche wahr und entwickelt eine Vorliebe für vertraute Stimmen und Laute. Durch Bewegungen macht es auf sich aufmerksam und nimmt Kontakt mit Eltern und anderen nahestehenden Personen auf.
- Sprechen Sie schon während der Schwangerschaft mit Ihrem Baby. Ihr Baby gewöhnt sich so an Ihre Stimme.
- Streicheln Sie oft den Bauch. Antworten Sie so auf die Bewegungen Ihres ungeborenen Babys.
Die ersten Tage nach der Geburt
Direkt nach der Geburt drückt das Baby seine Bedürfnisse vor allem mit Schreien aus. Es möchte dann zum Beispiel mitteilen: "Ich habe Hunger" oder "Ich bin müde". Oder es braucht Nähe. Auch mit Bewegungen versucht das Baby sich zu verständigen. Wenn es den Kopf wegdreht, heißt das „Ich brauche Ruhe“.
- Reagieren Sie immer sofort, wenn Ihr Baby schreit. Nehmen Sie es zum Beispiel liebevoll auf den Arm. Sprechen Sie beruhigend mit ihm.
- Antworten Sie auch auf andere körperliche Zeichen. Tragen und streicheln Sie Ihr Baby zum Beispiel, wenn es unruhig ist.
- Schauen Sie Ihr Baby häufig an und gehen Sie nah an sein Gesicht. Angangs fällt es Ihnen vielleicht noch schwer, den Gesichtsausdruck des Babys zu deuten. Mit der Zeit lernen Sie sich besser kennen.
- Ihr Baby merkt dann: "Meine Eltern sind für mich da. Das tut mir gut.".
In den ersten Lebenswochen
In den ersten Wochen entwickelt das Baby seine Sprache weiter: Spontane Laute nehmen zu, es quietscht oder gurgelt. Es wendet sich neugierig Stimmen oder Geräuschen zu. Die Gesichtsausdrücke werden vielfältiger. Schon bald sucht es gezielt Blickkontakt.
- Laden Sie Ihr Baby immer wieder zum Austausch ein.
- Sprechen Sie gerne besonders betont. Wiederholen Sie Worte oder ziehen Sie Silben in die Länge. Machen Sie dabei große Augen und halten Sie Blickkontakt.
- Ihr Baby denkt dann: "Es ist toll, wenn du mit mir sprichst.".
Nach den ersten Monaten
Das Baby freut sich weiter über Zuwendung. Wenn es angesprochen wird, brabbelt es vielleicht zurück. Langsam verbindet es Erlebnisse mit Sprache und Wörtern. Bald erkennt es auch seinen Namen. Nach etwa drei bis vier Monaten ist der Blickkontakt besonders intensiv und das Baby lächelt vertraute Personen gezielt an. Es möchte sich nun auch vermehrt zu Dingen und Personen hinbewegen.
- Reagieren Sie auf Aktionen Ihres Babys. Erzählen Sie zum Beispiel, was Sie gerade tun.
- Antworten Sie auf das Gebrabbel Ihres Babys. Ihr Baby lernt so, wie Gespräche laufen.
- Helfen Sie Ihrem Baby, die Umgebung zu erkunden und Neues kennenzulernen.
- Ihr Baby merkt dann: "Die Welt ist groß und interessant. Meine Eltern sind immer bei mir."
Etwa nach einem halben Jahr
Das Baby beginnt nun Silben und Silbenketten zu bilden – "da-da" oder "mem-mem-mem". Geräusche aus der Umgebung versucht es nachzuahmen. Auch Stimmungen und Gefühle um sich herum nimmt das Baby immer aufmerksamer wahr. Wenn Eltern ihr Baby ansprechen, antwortet es zum Beispiel mit Lächeln, Kopf drehen oder Brabbeln. Wenn es sich unsicher fühlt, sucht es Blickkontakt und Nähe zu vertrauten Personen.
Rund um den ersten Geburtstag
Das Baby entwickelt sich zum Kleinkind und macht weiter große Fortschritte in seinen kommunikativen Fähigkeiten. Es versteht einzelne Wörter und einfache Sätze. Rund um den ersten Geburtstag äußert es deutlich seinen Willen. Es beginnt, erste Wörter wie "Mama" oder "Papa" zu sprechen. Auch mit Bewegungen und Gesten zeigt es seine Gefühle und winkt zum Beispiel zum Abschied.
Babys brauchen volle Aufmerksamkeit
Wenn Eltern abgelenkt sind, erschwert das den Austausch mit ihrem Baby. Für das Baby passt der Gesichtsausdruck der Eltern dann nicht zum seinem eigenen Verhalten. Zum Beispiel wenn es Mutter oder Vater anlächelt, aber diese schauen regungslos auf ein Mobiltelefon. Das Baby ist dann verunsichert und kann seine Fähigkeiten nicht gut weiterentwickeln.
- Schenken Sie Ihrem Kind möglichst oft die volle Aufmerksamkeit. Legen Sie dafür Handy, Tablet und Co. zur Seite.
- Suchen Sie viel Blickkontakt mit Ihrem Baby, sprechen Sie mit ihm und geben Sie ihm Nähe.
- Nehmen Sie sich die Zeit und reagieren Sie feinfühlig auf die Signale Ihres Babys.
Frühe Hilfen unterstützen
Sie fühlen sich unsicher mit Ihrem Baby? Dann stehen Ihnen Frühe Hilfen zur Seite. Unterstützung finden Sie zum Beispiel in Elternkursen oder Offenen Sprechstunden. Die Frühen Hilfen sind kostenfrei. Eine Anlaufstelle in Ihrer Nähe finden Sie mit der Suche Frühe Hilfen.
Die Tipps in diesem Beitrag stammen aus dem Online-Kurs „Bindungsbasierte Einschätzung der Eltern-Kind-Interaktion“ auf der Lernplattform des NZFH. Der Kurs richtet sich an Fachkräfte und wurde vom Uniklinikum Ulm unter der Federführung von Professorin Dr. Ute Ziegenhain konzipiert und vom NZFH gefördert.